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18. April 2011

„Wer keine Angst hat, ist ein Idiot“

SZ-Korrespondent Tomas Avenarius berichtet von seiner Arbeit im Nahen Osten

Toams Avenarius im Werkstattgespräch an der DJS

Tomas Avenarius hat gerade ein paar Tage Urlaub von der Revolution – und schaute zum Werkstattgespräch im Flachbau der DJS vorbei. Seit sechs Jahren  lebt er als Korrespondent in Ägypten. Da ist es kaum verwunderlich, dass sich die Revolution auf dem Tahirplatz für ihn ein wenig so anfühlt, „als ob sie auf dem Marienplatz in München stattfinden würde“. Avenarius ist nah dran am Geschehen. Er berichtet für die Süddeutsche Zeitung aus dem Nahen Osten. In letzter Zeit ist das ein stressiger Job. Tunesien, Ägypten, Libyen, Jemen, Bahrain… die Revolution hat eine ganze Region erfasst.

Für Avenarius, der die 23. Lehrredaktion der DJS besucht hat, ist die Berichterstattung ein Traumjob. Statt hierzulande Parteitage zu besuchen oder am Redaktionsschreibtisch zu sitzen, reist er durch Krisengebiete und versorgt die SZ mit Fakten und Geschichten. Dabei ist ihm wichtig: „Nicht immer nur kulturelle Klischees wiederholen.“

Im Gespräch erzählte der 50-Jährige aus seinem Alltag, der eigentlich gar keiner ist. Das Themenspektrum reichte von einer Einschätzung der Lage in Nahost und dem NATO-Einsatz in Libyen über Anekdoten kultureller Begegnung bis hin zu privaten Aspekten des Berufs. Familie und Auslandskorrespondenz in Krisenregionen, das verträgt sich nicht gut.

Die gefährlichen Seiten seines Berufs nimmt Avenarius gerne in Kauf – aber: „Wer in Krisengebieten keine Angst hat, ist ein Idiot.“

Den potentiellen Nacheiferern unter den Journalistenschülern gab er folgende Tipps: Die Sprache des Landes, aus dem man berichten will, noch in Deutschland lernen. Arabisch, Russisch, Chinesisch – alles sehr gefragt. Vor Ort habe man keine Zeit mehr. Da müsse man sich um Informanten, Unterkunft, Akkreditierungen und einen funktionierenden Internetanschluss kümmern. Und engen Kontakt mit der Redaktion halten, die auf einmal sehr, sehr weit weg ist.