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28. April 2013

Henri Nannen Preis 2013 für Heike Faller, 29. LR – wir freuen uns und gratulieren!

Den Henri Nannen Preis 2013 für die beste Reportage erhält Heike Faller, 29. LR, vom ZEIT magazin.

Journalisten und Strafverteidiger verbindet der Umstand, dass sie mitunter das Handeln, Denken und Fühlen von Menschen zu erklären versuchen, die eigentlich niemand näher kennenlernen möchte. Über ein halbes Jahr trifft sich die Reporterin Heike Faller regelmäßig mit Jonas, der eine Therapie an der Berliner Charité macht. Jonas ist pädophil. Bisher hat er kein Kind missbraucht. Dafür hat er Tausende von Kinderpornos gesehen.

Heike Faller schildert seinen Kampf an zwei Fronten: gegen seine Neigung – und gegen seine Angst, sich der Familie zu offenbaren. Nichts an dem Text verrät, was Heike Faller selber von dem Pädophilen hält, sie protokolliert Fortschritte und Rückfälle mit kühler Sachlichkeit. Vielleicht ist es gerade diese Haltung, die es möglich macht, dass ein Leser irgendwann ungewollt beginnt, Anteil zu nehmen, vielleicht sogar so etwas wie Verständnis zu empfinden.

Heike Faller ist eine bemerkenswerte Reportage gelungen, eindringlich, herausfordernd, brillant formuliert, intensiv in der Wirkung. Möglicherweise gar mit Langzeitwirkung: Weil diese Nahaufnahme ein Schutz sein kann vor vorschnellen Urteilen – gerade dann, wenn der differenzierte Blick so schwer fällt.

http://mobil.zeit.de/2012/44/Sexualitaet-Paedophilie-Therapie