Ein Erfahrungsbericht

Hallo! Ich heiße Diana Aust und habe mit meiner Klasse 48K vom November 2009 bis Anfang August 2010 die Kompaktausbildung an der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München absolviert. Den folgenden Bericht habe ich für die Stiftung geschrieben, die mich mit einem Stipendium unterstützt hat – ein Fazit nach neun Monaten. Es ist, wie die Ausbildung, dreigeteilt in Print, Radio und Fernsehen – wobei in jeder Einheit auch Online mitgedacht wird.

 

PRINT: November 2009 bis März 2010
Am Anfang war das Wort, und es war… eine Nachricht. Was ist sie, wie schreibt man sie, und was gehört hinein? Perfekt im ersten Satz, die W-Fragen, das Wichtigste nach vorne – Dozentin Verena Hruska erklärt nicht nur, sondern lässt meine KlassenkameradInnen und mich von Anfang an praktische Übungen machen. Weitere Grundlagen stehen in den ersten Monaten auf dem Programm. Wie man recherchiert und dass dabei auch die zwischenmenschliche Komponente über Erfolg und Misserfolg entscheiden kann, lernen wir bei SZ-Redakteur Felix Berth. Mit welcher Eisbrecherfrage man am besten Promis knackt, dürfen wir an der Münchner Schriftstellerin Asta Scheib und dem Tatort-Kommissar Udo Wachtveitl erproben. Dozent Peter Fahrenholz von der SZ macht uns im Bayerischen Landtag mit Horst Seehofer und der Berichterstattung über denselben bekannt, und weiht uns in die Finessen des politjournalistischen Arbeitens ein. Unter zwei oder unter drei? Die Verwechslung dieser Worte sollte jedenfalls keinen Schüler der 48. Kompaktklasse der DJS zu Fall bringen! Der erste große Text ist dann das Feature, in das uns Christian Bleher einführt. Ich schreibe über die Diskriminierung von Transsexuellen am Arbeitsplatz, der Artikel wird später in der SZ veröffentlicht. Das große Highlight für mich sind die zwei Reportage-Kurse bei Holger Gertz und Michael Bitala von der Seite Drei der SZ. Mit einem Erdbeben einsteigen und dann langsam steigern, die Relevanz des Themas im Portal deutlich machen – hier lerne ich grundlegende Dinge weit über die Reportage hinaus. Aber ich erkenne auch meine Leidenschaft: Geschichten zu erzählen und die LeserInnen mit auf die Reise zu nehmen. Ich schreibe meine erste Reportage über einen Imbissbudenarchivar in Berlin. Die zweite über die krasse Wandlung eines jungen Menschen: vom Nazi-Jungen zum transsexuellen Mädchen. Dafür, dass ich meine Hauptperson so nah begleiten konnte, bin ich sehr dankbar. Die Geschichte erschien später in der taz.
Es gäbe noch viele weitere Unterrichtseinheiten zu benennen, was den Rahmen hier aber sprengen würde. Der Printblock schließt ab mit einer Woche klassischer und boulevardesker Übungs-Tageszeitungen. Jeden Tag wird der Redaktionsalltag simuliert. Darauf folgt die Abschlusszeitung mit dem Thema Lernen, die wir innerhalb einer Woche mit Christian Bleher produzieren. „LSD“ lautet ihr Titel, Lernen, Schulen, Denken. Mein Beitrag dazu ist der Selbstversuch im Gymnasium: noch einmal in die zwölfte Klasse gehen! Krönender Abschluss der Printausbildung ist das Abschlussmagazin. Einen Monat lang simulieren wir in Echtzeit die Produktion einer Zeitschrift – von der ersten Themenfindungs-Konferenz bis zum Druck! Herausgekommen ist volt – Spannungsfeld Stadt. Ein Magazin von Städtern für Städter über die Stadt. Auf www.voltmagazin.de steht nicht nur das ganze Heft zum Download bereit, sondern es finden sich auch viele Geschichten und Gimmicks, mit denen wir den Online-Auftritt weitergedacht haben. Für volt habe ich das Dachgefühl gesucht und gefunden, habe ein Rätsel gemacht und entdeckt, was in Städten alles verboten ist. Schließlich war ich auf dem einzigen Stadtentdeckungsfestival Deutschlands in Köln. Nachzulesen bzw. -hören ist das alles online. Das Fazit des Print-Blocks: wortgewaltig!

RADIO: April 2010 bis Mai 2010
Am Anfang war das Wort, und es… hörte sich gut an! Schreiben fürs Radio ist komprimierter, klarer und dynamischer als beim Print. Zumindest sollte es das sein. Das A und O: eine gute Anmoderation. Die sollte auf jeden Fall geschrieben sein, lange bevor der Beitrag überhaupt geschnitten ist. Ach ja, schneiden: Zuerst kommt natürlich die Einführung in den DIGAS-Schnittplatz, bevor es dann an die praktischen Übungen geht. Zwei erfahrene BR-Technikerinnen stehen uns dabei zur Seite. Danach kommt das Sprechtraining. Langsam sprechen, klar artikulieren, die Stimme nicht unnatürlich hoch werden lassen, richtig atmen… die Liste ist lang. Neben einem professionellen Radio-Sprecher unterrichten uns Christoph Flach und Till Nassif in Moderation. So lernen wir gleich drei verschiedene Techniken und Herangehensweisen an die Moderation. Bei Christoph Flach lernen wir auch das „selbstfahren“, wie man im Radio-Jargon sagt: Moderieren und gleichzeitig die Technik bedienen, Jingles einspielen, Musik in- und outfaden. Nach anfänglicher Überforderung haben wir am zweiten Tag den Bogen raus und moderieren jeweils eine Viertelstunde unter Live-Bedingungen. Das Resultat kann zwei Stunden lang via Funkkopfhörer in der Journalistenschule von Mitschülern und Schulleitung mitgehört werden.
Nachrichten und Interviews sind auch diesmal Thema. Aber diesmal lernen wir, was dabei anders ist im Radio. Wie kann man den Gesprächspartner eingrenzen, damit er nicht nonstop fünf Minuten am Stück redet? Wie kann man die HörerInnen durch einen Earcatcher fesseln? Und, der vielleicht größte Unterschied zwischen Radio und Print: Wie schafft man Redundanz? Denn die gibt beim Radio Struktur und hilft im Dschungel der Töne und Geräusche, Klarheit zu bewahren. Die erste Aufgabe ist dann der gebaute Beitrag, das Grundhandwerk eines Radio-Journalisten: eine Mischung aus Text, O-Ton und Musik bzw. Atmosphäre. Eine der größten Herausforderungen für mich: Wir produzieren ein zweistündiges Radiomagazin in Echtzeit. Meine Aufgabe ist es, mit meinem Kollegen Florian Haas zwei Stunden lang durch das Programm zu führen, live Kollegengespräche zu führen oder Interviewpartner zu begrüßen. Ein persönliches Highlight, das sehr viel Spaß macht!
Ähnlich wie im Print schließt der Radioblock mit einem Abschlussmagazin ab. Wir entscheiden, zwei jeweils einstündige Magazine zu produzieren, die das Thema Stadt wieder aufgreifen. Ich arbeite im Kulturmagazin mit und realisiere zum ersten Mal ein Hörspiel! Viele der Beiträge sind auf www.voltmagazin.de zu hören. Das Fazit des Radio-Blocks: unerhört!

FERNSEHEN: Juni 2010 bis Juli 2010
Am Anfang war das Wort, und es… reichte nicht aus! Beim Fernsehen ist alles anders. Beim Fernsehen muss es heißen: Am Anfang war das Bild. Ein guter Beitrag sollte nämlich auch verständlich sein, wenn man den Ton ausstellt. Zumindest ist das das Ziel, nach dem wir streben. Schon am ersten Tag des TV-Blocks wurden wir ins kalte Wasser geworfen und begannen mit einem dreitägigen Videojournalisten-Seminar. Nachdem wir uns schnell in die Kamera und den Avid-Schnittplatz eingearbeitet haben, ging es los. Unser erster eigener Film! Auch wenn wir dabei noch unsere eigenen ProtagonistInnen waren – immerhin mussten Kamera, Ton, Einstellungen und Geschichten gemanagt werden und in eine sinnvolle und sinnliche Schnittfolge gebracht werden. Auf diesen ersten Film, in dem ich als Hausfrau davon träume, staubzusaugen, werde ich mich immer voller Stolz – und Ironie – zurückerinnern. Aber bei allem Spaß ist das Seminar sehr anspruchsvoll, die nächste Übung schon weitaus schwieriger: schnittgenau zu drehen. Das bedeutet, dass der Film eigentlich schon im Kopf fertig sein muss, bevor man mit der Kamera rausgeht.
Der zweite Teil des TV-Blocks war schon etwas schwerer, ein zweiter Film musste in Gruppen produziert werden, diesmal mit ProtagonistInnen, die nicht wir selbst sind. In Gruppenarbeit fanden wir einen französischen Rugbyspieler in München und begleiteten ihn beim Training. Kamera, Licht, Interview – das alles noch im Laufen und zwischen sich angreifenden Spielern, gar nicht so einfach. Große Abschlussaufgabe nicht nur des TV-Blocks, sondern insgesamt die letzte Hürde, die es an der DJS zu meistern galt: ein Abschlussmagazin. Diesmal mussten wir nicht nur Beiträge produzieren, sondern diese in Beziehung zueinander setzen und mit Moderationen garnieren, damit daraus eine thematische Magazinsendung wird. Und, wie sollte es anders sein, entscheid sich die 48K konsequenterweise wieder für das Thema Stadt. Ein Trailer wurde des Nachts gedreht, wir montierten die Kamera auf ein Fahrrad, wir stiegen auf Dächer, alles, um die Stadt möglichst gut in Bildern zeigen zu können. Mein letzter TV-Beitrag, an dem wir arbeiteten, war ein etwas ungewöhnliches Thema: Stadtführungen für Kuscheltiere in Köln. Vom Drehplan über das Storyboard steckte unglaublich viel Arbeit in dem ganzen Film, noch bevor er gedreht wurde. Und vieles lief dann doch anders, als geplant. Aber, herausgekommen ist ein Magazin, das sich sehen lassen kann. Jetzt geht’s weiter für uns aus der 48K in den Praktika. Bild aus.