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3. Dezember 2014

Linktipps: Lieber obdachlos als bei Amazon, Jauch gegen Söder und Niedersächsische Melancholie

Lieber obdachlos als bei Amazon

Big Brother, Inc.: Die Amerikanerin Nichole Gracely beschreibt im ‚Guardian‘ ihr Leben nach Amazon. Dort war sie als „Order Picker“ beschäftigt gewesen – oft den ganzen Tag allein in einem riesigen Lagerraum, ständig überwacht von Computern. Sie entschloss sich, gegen diese Umstände öffentlich zu protestieren, verließ Amazon und lebt seither auf der Straße. Das Fazit ihres bedrückenden Berichts: „There’s more respect for a homeless woman out on the streets than there is in a warehouse for Amazon workers.“

Jauch vs. Söder

Hoppla! Da hatte der potentielle Seehofer-Nachfolger Markus Söder extra seine Pressesprecherin ins ‚Günter Jauch‘-Publikum gesetzt, um die Leute zum Klatschen zu animieren, wenn er gegen die Soli-Gier des Staates wetterte. Und was passierte? Nur eine Person klatschte, nämlich – genau – seine Pressesprecherin. Moderator Jauch konnte es sich nicht verkneifen, Gast und Zuschauer  vor laufenden Kameras darauf hinzuweisen. Die ganze Sendung gibt’s hier, die Klatsch-Posse beginnt bei 0:36.

Nüchterne Melancholie: Die beste Reportage beim Reporterpreis 2014

Der Deutsche Reporterpreis für die beste Reportage geht in diesem Jahr an Henning Sußebach, der für die ZEIT die Schließung eines Provinzkaufhauses begleitete. „Herr Hibbe macht zu“ heißt die Geschichte und ist so wunderbar niedersächsisch-nüchtern wie ihr Protagonist. Schönster Absatz: „Er lugt durch die Schaufenster in die Fußgängerzone, wo ein Trupp Rentner wartet. (…) Durch das Glas starren sie ihn an wie einen kranken Fisch im Aquarium. ‚Tja‘, sagt Hibbe. ‚Ein Laden stirbt nicht still und heimlich. Ein Geschäft stirbt immer laut.'“