Print

Der Printblock nimmt mit insgesamt fünf Monaten den größten Teil der DJS-Ausbildung ein. Zuerst stehen Stilformen und grundlegendes Handwerk auf dem Programm, danach produzieren die Schüler eine Abschlusszeitung und als krönenden Abschluss ein Magazin.

Bereits eine halbe Stunde, bevor der erste Dozent kommt, beginnt das Programm: Zeitung lesen, Schlagzeilen vergleichen, sich im Feuilleton festfressen, Politik, Sport, Lokales … Einmal pro Woche stellt ein Schüler eine Zeitung vor: wie das Blatt aufgebaut ist, welche Struktur es hat und welche Haltung zwischen den Zeilen durchschimmert. So lernt man die deutsche und internationale Zeitungslandschaft kennen.

Im Unterricht geht es sofort zur Sache: Was macht eine Neuigkeit zur Nachricht? Nach welchen Kriterien entscheidet ein Redakteur, ob er eine Nachricht ins Blatt nimmt? Und: Wie schreibt man das verflixte Ding? Wie baut man es auf? Agenturmaterial in wenigen Minuten umschreiben, 14-mal kopieren und der Klasse präsentieren. Dann muss jeder Kritik aushalten können.

Die Schüler üben alle Stilformen: von Filmkritik bis Feature, von Gerichtsbericht bis Glosse. Jeder schreibt zwei große Reportagen und trainiert grundlegende Werkzeuge wie Recherche, Interview und das Redigieren. Auch die Kurztexte kommen ins Blickfeld: Unterzeile, Vorspann, Bildunterschrift und natürlich der König unter den Kurzen, der Titel. Und das quer durch die Ressorts: Lokales, Politik, Feuilleton, Film, Medien, Wirtschaft, Sport, Vermischtes.

Praxistest: Zum Ende der Print-Ausbildung produziert jede Klasse eine eigene Zeitung – tagesaktuell und unter Zeitdruck.

Praxistest: Zum Ende der Print-Ausbildung produziert jede Klasse eine eigene Zeitung – tagesaktuell und unter Zeitdruck.

Schließlich startet der Testbetrieb. Jeden Tag müssen die Schüler aktuelle Zeitungsseiten planen, recherchieren, schreiben, layouten. Mit Bildern von der Agentur oder aus dem Archiv. Mal Abo-Zeitung, mal Boulevard. Wer jetzt das System nicht beherrscht, ist aufgeschmissen. Zum Glück stehen Profis bereit und helfen weiter, bevor der Tag im Chaos endet. Am anderen Morgen dann der Vergleich: Was haben die Kollegen in den „echten“ Redaktionen anders gemacht, wo waren wir besser?

Zum Ende der vier Zeitungsmonate dann die Krönung: eine Woche Abschlusszeitung. Ein aktuelles Thema, von der Klasse selbst gewählt, dargelegt auf acht Seiten. Eine Zeitungsbeilage, die tatsächlich in die Druckerei geht. Ideal, um später in die Bewerbungsmappe gepackt zu werden.

Zeitschrift: konzipieren, recherchieren, texten, fotografieren, gestalten

Wie man ein interessantes Magazin macht, wird an der DJS gleichsam am lebenden Objekt gelehrt, im fünften Monat des Printblocks. Übungspatient ist die schuleigene „Klartext“-Reihe, die längst über die DJS hinaus begeisterte Leser findet. 76 Seiten, vierfarbig, mit festem Rücken und kartoniertem Cover. Ein Heft, das am Ende in den Briefkästen aller ehemaligen Schüler liegen wird.

Die Cover aller Klartext-Magazine hängen im Schulhaus.

Die Cover aller Klartext-Magazine hängen im Schulhaus.

Bis es soweit ist, steht massenhaft Arbeit an, und es bleibt wenig Zeit für andere Gedanken. Zwischen der ersten Themenkonferenz und der letzten Feinabstimmung mit der Lithographie liegen gerade einmal vier Wochen. Vier Wochen, in denen Kreativität und Engagement gefragt ist, in denen die Klasse überlegt, für welche Zielgruppe sie ihr Heft konzipieren und mit welchen Themen sie ihre Leser fesseln will; in denen die Magazinmacher recherchieren, schreiben, redigieren. Vier Wochen, in denen aber auch neue Aspekte in den Vordergrund treten: Die Schüler fotografieren, layouten ihre Geschichten, tüfteln an einer eigenen Gestaltungslinie, diskutieren über Haltung, Bildsprache, Themenkomposition.

Kein Tag ohne Überraschungen: Zwischen Fototermin und Layoutkonferenz muss noch eine Geschichte neu recherchiert, an der Sprache einer anderen gefeilt oder die Blatt-Mischung umgeworfen werden. Und dann gibt es noch die Tage, an denen dem von der Klasse gewählten Chefredakteur plötzlich auffällt: die Titel und die Bildunterschriften – das geht so noch gar nicht. Zum Schluss dann: das Ganze nochmal komplett durchkorrigieren und druckfertig machen. Spätestens in diesen Momenten dämmert jedem Schüler, warum die Redakteure eines gut gemachten Monatsmagazins für jedes Heft einen ganzen Monat Zeit haben.

Mindestens drei Dozenten arbeiten in diesen vier Wochen mit den DJS-Klassen: ein Texter oder eine Texterin (manchmal auch zwei), ein Fotograf/in und ein Grafiker/in.

3000 Mal wird jede „Klartext“-Nummer gedruckt und von der Schule an Medienmenschen in ganz Deutschland geschickt. Inserenten sorgen mit ihren Anzeigen dafür, dass die Kosten für Druck und Versand hereinkommen – wie im richtigen Leben.