Ein Erfahrungsbericht
Viele Schülerinnen und Schüler werden während ihrer Ausbildung von Stiftungen oder aus Förderprogrammen finanziell unterstützt. Im Gegenzug müssen sie den Geldgebern über den Stand ihrer Ausbildung berichten. Ein Schüler der Kompaktklasse 47K schrieb gegen Ende seiner DJS-Zeit den folgenden Bericht für die FAZIT-Stiftung:
Die Ausbildung an der DJS hat meine hohen Erwartungen noch übertroffen. Ich bin sehr froh, seit nunmehr gut acht Monaten in München lernen zu dürfen. Die Seminare und Kurse an der Schule sind intensiv, vielschichtig, in ihrer inhaltlichen Gestaltung ausgewogen und praxisnah. Ich genieße es, täglich mit 14 weiteren hochmotivierten Journalisten zusammenarbeiten zu dürfen.
Engagierte und hochkarätige Dozenten
Die engagierten und oftmals hochkarätigen Dozenten verstehen nicht nur viel vom Fach, sondern geben zugleich einen spannenden Einblick in die Branche und ihre durchaus turbulente Situation. Mit dem hier vermittelten Wissen fühle ich mich bestens gerüstet, um – in welcher Marktsituation auch immer – als Journalist bestehen zu können.
Die finanzielle Unterstützung Ihrer Stiftung ermöglicht mir die Ausbildung an der DJS. Dafür möchte ich Ihnen herzlich danken. Hier ein Überblick über die bisherige Ausbildung:
1. Zeitung / Zeitschrift / Online (November 2008 bis März 2009):
Ich war erstaunt: Meine Texte wurden deutlich besser
Die Printausbildung an der DJS zeichnet sich durch einen sehr umfangreichen, gut strukturierten Stundenplan aus: In den fünf Monaten werden zahlreiche Facetten des journalistischen Arbeitens abgedeckt. Obwohl ich durchaus mit einiger journalistischer Erfahrung an die Schule gekommen bin, habe ich diesen Block als große Bereicherung meiner Ausbildung erlebt. Es war sehr hilfreich, auch über das klassische Handwerk des Journalismus wie das Verfassen von Meldungen kritisch nachzudenken und sich dadurch weiter zu verbessern. Gleiches gilt für Interviews mit Lokalpolitikern oder Berichte aus dem Stadtrat. Ich war sehr erstaunt, wie ich die Qualität meiner Texte auch auf Themenfeldern noch deutlich steigern konnte, auf denen ich schon einige Zeit gearbeitet hatte. Hilfreich für das spätere Berufsleben waren zudem Kurse zum Presse- und Arbeitsrecht sowie die Einführungen in das technische Handwerk wie etwa in diverse Layout-Programme.
Kontakte zu vielen bekannten Praktikern
Die fünf Monate des Printblocks zeichneten sich zudem durch den Kontakt zu vielen bekannten und kompetenten Praktikern aus. Dazu zählten insbesondere Redakteure des Spiegel und der Süddeutschen Zeitung. Als besonders spannend und lehrreich habe ich die beiden Reportage-Seminare bei den SZ-Redakteuren Michael Bitala und Holger Gertz empfunden. Der intensiven Auseinandersetzung mit den Tücken der Themenfindung folgte jeweils eine umfassende Textkritik durch die Dozenten und die Mitglieder der Klasse. Diese half mir, meinen Schreibstil und den dramaturgischen Aufbau meiner Reportagen zu verbessern. Neben den diversen journalistischen Stilformen wurden zudem zahlreiche inhaltliche Felder behandelt: Meinem persönlichen Interessensschwerpunkt entsprach dabei besonders der Kurs zur politischen Berichterstattung bei Süddeutsche-Redakteur Peter Fahrenholz. Im Mittelpunkt des Seminars stand ein Hintergrundgespräch mit dem ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein. Aus dem Gespräch entstand ein Porträt über den Politiker.
Täglich drei tagesaktuelle Zeitungsseiten
Die Printausbildung an der DJS endete mit drei besonders praxisnahen Projekten, in denen vor allem Teamfähigkeit von Bedeutung war: Zunächst simulierten wir an sechs aufeinanderfolgenden Tagen den Produktionsablauf in einer Tageszeitungsredaktion. Täglich produzierte die Klasse drei tagesaktuelle Zeitungsseiten. Dabei übernahm ich sowohl die Aufgabe des Chefredakteurs als auch Funktionen als Layouter und Seitenverantwortlicher.
Mit der Erfahrung aus dieser Simulation produzierten wir über mehrere Wochen eine achtseitige Abschlusszeitung. Die Zeitung, sie ist inzwischen gedruckt worden, trägt den Titel „Rote Liste – Was in Deutschland noch zu retten wäre“. Sie beschäftigt sich anlässlich des Krisen- und Jubiläumsjahres mit bedrohten Phänomenen in der Bundesrepublik. Neben meiner Arbeit als Layouter konnte ich eine Reportage über die Krise des größten SPD-Ortsvereins in Deutschland zum Gemeinschaftsprodukt beitragen.
Der Höhepunkt: Chefredakteur des Klartext-Magazins
Höhepunkt und zugleich Abschluss der Printausbildung war die Produktion eines 75 Seiten starken Magazins. Dieses Heft wurde zum Jubiläumsfest der DJS, die ihr 60-jähriges Bestehen feierte, an rund 1200 Gäste im Münchner Prinzregententheater verteilt. Dem Anlass entsprechend konzipierten wir das Magazin als Standortbestimmung für den Journalismus in turbulenten Zeiten. Gemeinsam mit Jan Weiler entschlossen wir uns zu einem spielerischen Umgang mit dem bekannten Pressekodex und formulierten sieben journalistische Grundregeln, u.a. „Du sollst nicht langweilen!“, „Sag die Wahrheit!“, „Fürchte dich nicht!“ oder „Du sollst auch über Afrika schreiben!“. Als Chefredakteur des Hefts war es für mich eine besondere Herausforderung, im Zusammenspiel mit meinen Mitschülern Themen zu finden und zu entwickeln, die eine Relevanz über den Berufsstand hinaus haben. Zugleich war diese Zeit eine spannende Erfahrung in Teamführung, Presserecht, Textarbeit mit Autoren sowie grafischer Magazingestaltung.
Crossmediale Arbeit: Ein Internet-Auftritt entsteht
Parallel zur Produktion des Print-Magazin entstand eine Internetpräsenz, an der wir auch während der Radio- und der TV-Ausbildung arbeiteten. Auf der Seite www.klartext-magazin.de sind die Texte, Bilder, Audio- und Video-Beiträge zu sehen und zu hören
2. Radio / Audio (April/Mai 2009)
Schnell kamen die ersten Lernerfolge.
Vor unserer Ausbildung habe ich die unterschiedlichen Radioformate lediglich als Hörer verfolgt und die Arbeit der Radiokollegen nur auf Presseterminen interessiert beobachtet. Entsprechend gespannt und motiviert war ich daher zu Beginn des Radioblocks – dank kompetenter Dozenten bin ich es bis zum Ende der Ausbildung geblieben. Als sehr angenehm empfand ich es, dass ich angesichts des sehr dicht gestaffelten Stundenplans recht schnell erste Lernerfolge feststellen konnte: So konnte ich nach einer entsprechenden Einführung in Schnitt- und Aufnahmetechnik nach kurzer Zeit eigene „gebaute Beiträge“ produzieren. Ein wichtiger Bestandteil der Radioausbildung war zudem eine Sprecherziehung. Auch in den Einheiten zur Moderation und „Texten für den Hörfunk“ beschäftigten wir uns regelmäßig mit der richtigen Intonation und Aussprache – eine Erfahrung, die mir, so denke ich, auch abseits des Hörfunks von Vorteil sein wird.
Die Sendung mit meinem Beitrag wird ausgestrahlt
Zum Abschluss unserer Radio-Ausbildung produzierten wir ein einstündiges Magazin zum Thema „Einsamkeit“. Mit großer Motivation steuerte ich eine Collage mit dem Thema „Große Momente der Einsamkeit“ zum Projekt bei. Die Sendung wurde auf dem Münchner Aus- und Fortbildungssender M94,5 ausgestrahlt.
Die Hörfunk-Ausbildung an der DJS hat mich für das Medium begeistern können. So kann ich mir sehr gut vorstellen, als freier Journalist auch Hörfunkbeiträge bzw. Audioformate für Online-Auftritte zu produzieren.
3. Fernsehen / Video (Juni/Juli 2009)
Eine neue, aufregende Welt hat sich mir erschlossen
In den zurückliegenden Wochen hat mich vor allem die Produktion unseres Fernsehmagazins beschäftigt. Es trägt den Titel „An Grenzen“ und enthält Beiträge über Menschen, die physische wie psychische Grenzen überschreiten. Seit Beginn der Fernsehausbildung hat sich für mich eine neue und ebenso aufregende Welt Stück für Stück erschlossen.
Komplexe Technik recht schnell beherrscht
Noch viel mehr als in der Hörfunkausbildung ist hier die Technik von großer Bedeutung. Ton, Kameraführung und die richtigen Lichteinstellungen sind Themen, die ich mir seit Juni erst erarbeiten musste. So hat es Spaß gemacht, zu spüren, dass sich auch komplexe Technik recht schnell in einem vernünftigen Maße beherrschen und für seriöse journalistische Arbeit nutzen lässt.
Als besondere Herausforderung empfinde ich, dass es bei der Fernseharbeit noch mehr als in anderen Bereichen auf ein gutes Zusammenspiel im Team ankommt. Dies ist uns zum Glück gut gelungen. Neben der Arbeit an drei Magazin-Beiträgen besteht die Ausbildung aus Moderations- und Interviewkursen. Diese wurden von erfahrenen Redakteuren des Bayerischen Rundfunks sehr engagiert geleitet. In diesen Seminaren legte ich mehr und mehr die Scheu vor journalistischer Arbeit vor der Kamera ab. Der Kurs zur Interviewführung war zudem eine wertvolle Erfahrung, die sich auch bei Print- und Audiobeiträgen nutzen lässt.
Ich kann mir vorstellen, Videos zu fertigen
Zurzeit sehe ich meinen Interessensschwerpunkt zwar eher im Printjournalismus, doch hat mir nicht zuletzt das Seminar zum Videojournalismus gezeigt, dass Videoformate zum einen mit machbarem Aufwand zu produzieren sind und zum anderen eine gute Ergänzung zu Printprodukten sein können. So kann ich mir gut vorstellen, beispielsweise Videos für Online-Auftritte zu fertigen.
4. Drei Praktika zum Abschluss (ab September 2009)
Die DJS-Ausbildung werde ich mit Praktika in drei Redaktionen abschließen. Zunächst absolviere ich von September an ein Praktikum in der Landesredaktion des Kölner Stadt-Anzeigers, dann folgen GEO special und das Deutschland-Ressort des Spiegels in Hamburg.


