2. Prüfung
Jedes Jahr im April lädt die DJS die Einsender der rund 150 besten Bewerbungsreportagen (jeweils etwa 50 Bewerber pro Lehrredaktion) zu einem zweitägigen Test nach München ein. Die zweite und letzte Prüfung besteht aus vier Teilen: einem Bildertest, einem Wissenstest, einer Textprobe und einem persönlichen Gespräch.
Die Bewerber für alle drei Lehrredaktionen – eine Kompakt- und zwei Masterklassen – werden am gleichen Wochenende getestet. Am ersten Prüfungstag gilt es, Punkte bei Bilder- und Wissenstest sowie bei der Schreibprobe zu sammeln. Am zweiten Tag folgt das Auswahlgespräch mit einer achtköpfigen Auswahlkommission. Sie ist bei der Kompaktklasse aus acht Journalistinnen und Journalisten zusammengesetzt; bei den Masterklassen sind es sechs Journalisten und zwei Vertreter der Universität.
Der Bildertest
Kanzlerin Merkel als Tischnachbarin von Barack Obama. Hartmut Mehdorn gibt seinen Rücktritt als Bahnchef bekannt. Der FC Bayern München geht in Barcelona unter… Wer oder was im Bildertest der DJS auftaucht, ist prominent und ungewöhnlich. In zwölf Minuten muss man jedem von zwölf Bildern, die in den Monaten zuvor durch die Medien gegangen sind, eine Bedeutung zuordnen. Das ist nicht immer leicht. Schließlich sehen sich viele Politiker zum Verwechseln ähnlich. Deswegen schadet es nicht, vor dem Bildertest noch ein wenig in den Zeitungen und Zeitschriften des letzten Jahres zu blättern. Ansonsten helfen ein gutes Gedächtnis und ein bisschen Glück. Manchmal erübrigt sich das Nachdenken: Bilder aus Kriegsgebieten oder von Naturkatastrophen sind oft unvergesslich.
Der Fragebogen
Wer Journalist oder Journalistin werden will, sollte neugierig sein – und informiert über das Geschehen in Deutschland und in der Welt. Oder anders herum: Wer Medien machen will, sollte sie auch lesen und verfolgen. Ob die Bewerber dies tun, will die DJS mit 24 Fragen zum Zeitgeschehen und zur Allgemeinbildung herausfinden. Alle Bereiche kommen dabei vor: Politik, Kultur, Sport, Wirtschaft und auch das Vermischte. Wie heißt die neue Bundeslandwirtschaftsministerin? Welcher Film sahnte in diesem Jahr die meisten Oscars ab? Wer will den Autobauer Opel übernehmen? Wer solche Dinge weiß und die Antworten unter Zeitdruck aus dem Ärmel schütteln kann (nach 20 Minuten ist Abgabe), ist seinem Ausbildungsvertrag ein gutes Stück näher.
Die Textprobe
Wer zum Auswahlwochenende nach München eingeladen wird, sollte mit der Bewerbungsreportage gezeigt haben, dass sie oder er schreiben kann. Allerdings hatten die Bewerber zum Feilen an der Eintrittskarte zur Vorauswahl nicht nur jede Menge Zeit, sondern unter Umständen auch fremde Hilfe. Deshalb gilt es im dritten Teil des Auswahltests, journalistisches Talent noch einmal unter Beweis zu stellen – selbständig und unter Zeitdruck.
Anders als bei anderen Journalistenschulen müssen Bewerber an der DJS für die Recherche zur Textprobe nicht auf die Straße. Grundlage für den Testartikel ist ein zehn- bis fünfzehnminütiger Fernsehbeitrag zu einem aktuellen Thema, den sich die Schreiber ein- oder mehrmals anschauen, bevor es an die Computer geht. Rund 50 Zeilen mit jeweils circa 60 Zeichen sollte der Drucker nach spätestens zwei Stunden ausspucken. Wer dann nicht nur knochentrockene Fakten, sondern auch ein paar Beobachtungen und Bilder aus dem Film in seinen Text reingeschneidert hat – als Tüpfelchen auf dem i vielleicht sogar eine gute Überschrift – kann am Ende des ersten Testtages entspannt die Schule verlassen, sich in ein Café setzen und dem Gespräch mit der Auswahlkommission am nächsten Tag etwas beruhigter entgegen sehen.
Das Gespräch
Drei Bewerber, acht Profis aus Journalismus oder Wissenschaft, eine knappe halbe Stunde Zeit: Die Kluft zwischen Bewerbern und Fragern erscheint groß, der Schultisch dazwischen ist für manche der einzige Schutz. Doch keine Angst: Hier werden keine Fallen gestellt – die Prüfer wollen nur herausfinden, ob sie die Kandidatin oder den Kandidaten für den Journalistenberuf geeignet halten. Und ob sie sich vorstellen können, dass sie oder er mit 14 anderen Nachwuchsjournalisten ein kreatives Redaktionsteam bilden kann.
Schon so mancher Bewerber brachte vor Aufregung kaum einen geraden Satz heraus – und war später doch unter den glücklichen Auserwählten. Andere fanden kein Ende und redeten sich um Kopf und Kragen. Eine knappe halbe Stunde – das sind durchschnittlich neun Minuten Sprechzeit für jeden – ist nicht genug Zeit, um ausschweifend über Ethik im Journalismus oder die Irak-Berichterstattung des „Spiegels“ zu dozieren.
Also: Klare Aussagen treffen, nicht ins Schwätzen geraten. Den Sachverhalt logisch hintereinander weg erzählen. Und ganz wichtig: Eine eigene Meinung haben und diese gut begründen.
Was wird gefragt? Vielleicht etwas zum Lebenslauf. Vielleicht zu einem aktuellen Thema. Vielleicht auch die so genannten „Standards“: Warum man Journalist werden möchte? Welche Reportage man gerne einmal schreiben würde? Wen man gerne interviewen würde und warum? Was man macht, wenn man nicht genommen wird? Vielleicht aber auch nichts von alledem. Ruhe bewahren, sich nicht provozieren lassen. Durchatmen. Und vor allem: Natürlich bleiben.
Das Punktesystem
Insgesamt sind an den beiden Tagen 100 Punkte zu holen – was aber noch keiner geschafft hat. Ab circa 80 Punkten steigt die Chance auf den Ausbildungsvertrag enorm. Wer glaubt, in einem der Prüfungsteile schlecht abgeschnitten zu haben, braucht sich noch keine Sorgen zu machen – die Bewerber werden in allen Prüfungsteilen einzeln benotet. Jedes Testgebiet (Bildertest/Fragebogen, Textprobe und Gespräch) geht etwa zu einem Drittel in die Gesamtbewertung ein. Wer am Ende zu den 15 punktbesten Bewerbern der Lehrredaktion zählt, für die sie/er sich entschieden hatte, ist an der Deutschen Journalistenschule angenommen.
Alle Teilnehmer an der Prüfung in München erhalten etwa zwei Wochen später einen Brief. 45 von ihnen können dann jubeln, einige noch hoffen, weil sie auf der Nachrückerliste stehen – es könnte ja sein, dass jemand absagt. Die anderen dürfen es im nächsten Jahr noch einmal probieren.
Bescheid
Etwa zehn Tage nach der Prüfung in München erhalten alle Teilnehmer eine schriftliche Zu- oder Absage.


