DJS Klartext Magazin

Klassenfahrt ins Nachrichtenloch

Wie verabschiedet man sich standesgemäß vom Altheimer Eck Nummer 3? Das inoffizielle Protokoll verlangt eine Abschiedsfeier, ein Geschenk für nachkommende Lehrredaktionen und ein Klassenfoto. Wer nun aber einfach nicht wahrhaben will, dass die DJS-Zeit damit schon vorbei ist, kann das Protokoll durch einen Punkt ergänzen. So wie es die beiden Masterklassen der 47. Lehrredaktion getan haben: mit einer Abschlussfahrt. Gerade sind sie von ihrer Toskana-Reise zurückgekehrt. Die Bäuche und Koffer voll mit Pasta, Oliven und Wein – und die Köpfe endlich mal wieder leer.
Sieben Tage Toskana: Das waren sieben Autos voll gepackt mit Fahrrädern, Reiseführern, Gitarre, Billardqueue, Schlägern, Bällen und erholungsbedürftigen, erlebnishungrigen DJSlern. Die 47 A hatte gerade ihr erstes Praktikum beendet, die 47 B mit dem TV-Block ihre Ausbildung an der DJS. Als nächstes müssen beide Klassen ihre Masterarbeit schreiben, von April bis Juni. Einige haben sich dafür Fachbücher zur Vorbereitung mitgebracht. Die meisten folgten aber eher dem Motto: bloß nicht anstrengen. Trivialliteratur dominierte auf den Nachttischen, Nudeln und Pfannkuchen auf dem Esstisch.

Die Tage waren gefüllt mit Sport, Kultur, Natur und Faulenzen. Die Radfahrer fluchten über steile Anstiege und genossen die schnellen Abfahrten, für die Kulturfreunde gab es Fresken in Arezzo, Türme in Siena und von beidem noch viel mehr in Florenz. Die Wanderer entdeckten Orchideen, einsame Bergdörfer und einen Weg durch den eiskalten Bach zurück zum Haus. Dort trafen sie dann auf die Sanatorium-Fraktion, die es sich in Decken gehüllt auf den Liegen am Pool gut gehen ließ.

Gemangelt hat es eigentlich nur an einem: Nachrichten. In dem Steinhaus aus dem 13. Jahrhundert zwischen Badia Agnano und Capannole gab es kein Fernsehen, kein Radio, kein Internet. Nur gelegentlich, an ausgewählten, exponierten Flecken auf dem Hanggrundstück, kam ein instabiles Wurmloch ins Handynetz zustande. Es dauerte drei Tage, bis die Meldung vom Flugzeugabsturz mit Polens Präsident Kaczynski in dieses Nachrichtenloch drang. Und auch Islands Aschewolke zog verspätet über die Reisegruppe hinweg. Weil es keine echten Nachrichten gab, wurden am Kaminfeuer einfach welche erfunden. Abend für Abend gab es deshalb die Nachricht, dass ein „Mord in Palermo“ verübt wurde. Bei diesem Spiel wird gelogen, taktiert und diskutiert, was das Zeug hält. Bei dem Versuch, den Mörder in der Gruppe zu entlarven, offenbarte sich schließlich, wie gut sich die beiden Klassen in den letzten anderthalb Jahren an der DJS kennengelernt haben.